Alpe-Adria-Trail

Die Alternative zum Jakobsweg - oder Wandern wie im Garten Eden

Der Alpe-Adria-Trail führt in insgesamt 43 Etappen vom Grossglockner in Kärnten über Slowenien nach Muggia (Nähe Triest) in Italien.

Der Trail ist ca. 750km lang und kann entweder am Stück oder auch in Teiletappen gelaufen werden. Möchte man das Rundum Sorglos Paket buchen mit täglichen Gepäcktransport zur nächsten Station, dann wendet man sich am besten an die Agentur des Alpe-Adria-Trails. Sie vermitteln auch gerne Zimmer in einfachen Hütten bis hin zu Mittelklasse Hotels und statten Euch mit allerhand Infomaterial aus.

 

Ich habe mich für die Etappen 23 bis 26 von Kranjska Gora bis Tolmin in Slowenien sowie für den goldenen September als Reisezeit entschieden.

Als Unterkünfte habe ich einfache Pensionen gewählt und habe mir das Gepäck transportieren lassen.

 

Nun ein paar allgemeine Erfahrungen, die ich gerne mit Euch teilen möchte:

Ich wurde von der Agentur sehr gut beraten am Telefon. Wir wählten dann aufgrund von Interessen, Vorlieben und persönlichem Fitnesslevel die 4 Tagestour in Slowenien aus.

Innerhalb weniger Tage bekam ich alle Unterlagen zugeschickt und dann hiess es nur noch warten bis September.

Die Organisation in den Unterkünften war auch einwandfrei, alle wussten Bescheid und das Gepäck war immer im richtigen Moment am richtigen Ort.

 

Nun kommt jedoch ein kleines ABER. Am Telefon beriet mich die Dame zum Buchen von Halbpension mit dem Argument im Triglav Nationalpark sei es mitunter schwierig am Abend noch ein Restaurant zu finden.

 

Nun bin ich ein Mensch, der eigentlich grundsätzlich nie mit Verpflegung bucht, da ich mir gerne die Option offen lasse, in lokale Restaurants zu gehen und Spezialitäten aus der Region, in der ich mich gerade befinde, zu verkosten. Ausserdem bin ich absolut kein Anhänger von Buffets. Dieser völlige Kontrollverlust von Anstand und gutem Benehmen einiger Mitmenschen am Buffet, der teilweise in einen hemmungslosen Kampf ums Essen ausartet, schrecken mich wirklich ab. 

 

Aber nun gut, bei allem Widerwillen, den ich verspürte, half ja alles nichts. Ich kannte mich dort nicht aus und habe mich zur Halbpension überreden lassen.

Wie sich herausstellte war das ein grosser Fehler.

Zum einen, in Trenta, die einzige Etappe, in der es wirklich nur eine Pizzeria im Ort gibt und der nächste Ort mehrere Kilometer entfernt ist, war alles geschlossen als wir ankamen. (Donnerstag ist dort Ruhetag.)

Das wiederum hat man uns zuvor nicht mitgeteilt. Wir gingen ja von Halbpension aus.

Da meine Begleitung jedoch ein grosser Outdoor Fan ist und sich vor unserer Wanderung einen kleinen Gaskocher und ein wenig Trekking Nahrung bestellte, konnten wir auf dem Balkon der Pension zumindest eine Kleinigkeit kochen.

(Wie hab ich mich zuvor noch köstlich amüsiert, dass er freiwillig den Kocher den ganzen Tag mit sich herumträgt... Nun war ich einfach nur noch glücklich über mein Chicken Masala aus der Tüte.)

 

Zum anderen gab es an allen anderen Orten mehrere Restaurants zur freien Auswahl. Von lokalen Spezialitäten bis zur internationalen Küche, es war alles vertreten. Nur einzig das Essen in den Unterkünften war wirklich keine Freude für den Gaumen.

Oh wie sehr wünschte ich mir mehr Trekkingnahrung herbei.

 

Also hiermit mein Tipp an Euch, nutzt den Gepäcktransport, bucht auch gerne eure Unterkünfte vorab. In den Hauptreisezeiten Juli und August kann es gerade in Slowenien sehr voll werden. Aber erspart Euch die Halbpension.

Während des Tages findet ihr leckeres Essen in den Hütten und am Abend könnt ihr Euch in den Restaurant kulinarisch verwöhnen lassen. 

 

Die Tagesetappen sind alle unterschiedlich lang und unterschiedlich schwer. Die 4 Etappen, die durch Slowenien führen sind im Durchschnitt immer zwischen 22 und 25 km lang. Lasst Euch auch hier nicht von den Angaben in der Infobroschüre irre leiten. Diese Angaben waren leider alle viel zu kurz. (Wir vermuteten, dass man einfach die Distanz aus Google Maps, jedoch für die Auto Route, genommen hat.)

Deshalb möchte ich Euch die APP Outdooractive empfehlen. Sie gibt die Routen inkl. Distanz, Höhenangaben, Schwierigkeitsgrad und Kartenmaterial an. (Die APP ist für 30 Euro im Jahr erhältlich und im APP Store für Android sowie Apple erhältlich.)

 

Unterwegs trifft man auch immer mal wieder auf dieselben Mitwanderer, es entsteht eine wunderschöne Gemeinschaft und man unterhält sich abends gerne bei einem gemeinsamen Bierchen über die Erfahrungen, die man unterwegs gemacht hat oder man hilft sich gegenseitig mit Sonnencreme, Muskelsalbe und Tipps gegen Blasen aus.

Ich würde sagen, dass das sogar die schönste Erfahrung überhaupt war, der Zusammenhalt und der gemeinsame Geist, der uns wie magisch zusammen gehalten hat. 

Es stiess am zweiten Tag auch ein junges Pärchen auf uns. Die beiden machten den kompletten Trail seit Kärnten als Selbstversorger mit dem Rucksack und auf den vielen Campingplätzen entlang der Route.

Sie haben uns bestätigt, dass die Tagesetappen in Kärnten sehr viel kürzer waren als in Slowenien. Man darf die Distanz von 25 km tatsächlich nicht unterschätzen. Wir haben uns am ersten Tag leider etwas vertan in der Abschätzung und haben zu viel Zeit auf dem Gipfel verbracht. Am Abend mussten wir leider gegen die Dämmerung anlaufen. Ein Endspurt, wenn die Muskel schon komplett ermüdet sind, kann für einen Untrainierten schon eine ziemliche Herausforderung darstellen.

Etappe 23 - Kranjska Gora bis Trenta

Für mich war diese erste Etappe eigentlich auch die Schönste in Slowenien. 

Wir starten gegen 8:30 in Kranjska Gora, dem Wintersportzentrum Sloweniens und wandern zunächst am Pišnica Fluss entlang. Im Hintergrund reihen sich die Berge des Triglav Nationalparks auf. Wir geniessen den wunderschönen Anblick, wie sich nach und nach die Sonne über die Wipfel der Berge schiebt und die morgendliche Feuchtigkeit eines schönen Herbsttages langsam verschwinden lässt.

Es ging eine Zeitlang durch einen Wald gemächlich bergauf, bis wir an einer alten russischen Kapelle angekommen sind.

Nach einer kurzen Pause ging es weiter auf dem Eselspfad bergauf in Richtung Vršič Gipfel auf 1688m.

Auf halber Strecke zwischen russischer Kapelle und Gipfel überquert man zunächst eine Strasse, von deren Aussichtspunkt man das Felsgesicht einer Jungfrau sehen kann. Ein paar Schritte weiter auf der linken Strassenseite werdet ihr ein kleines Gasthaus entdecken, in dem ihr leckere traditionelle Gerichte zu Mittag geniessen könnt (Siehe die Bilder weiter oben). Probiert bitte die selbstgemachte Melissenlimonade, sie ist ein Gedicht und nach dem anstrengenden Aufstieg ein herrlicher Durstlöscher. 

 

Gestärkt ging es dann weiter zum Gipfel. Ohne viel Worte zu machen, schaut selbst, mit welch herrlichem Ausblick man belohnt wird.

Danach ging es ziemlich steil bergab in Richtung Soča Tal und zu deren Quelle. Achtung, das letzte Stück zur Quelle muss man klettern, das gelingt nicht jedem. Aber man kann auch ca. 15 m weiter unten einen Blick auf die Austrittstelle der Soča erhaschen. Nach weiteren 5 km kommt man in dem kleinen Ort Trenta an und muss zunächst im Trenta Haus "einchecken". Man wird dann auf die vielen Zimmer in den Ferienwohnungen und Häusern im Ort verteilt.

Etappe 24 - Trenta bis Bovec

Am Morgen ging es gegen 8:30 weiter. Diese Etappe führt den ganzen Tag an der Soča entlang. Man überquert den Fluss an mehreren Stellen über Hängebrücken und kann den ein oder anderen atemberaubenden Blick auf den türkisblauen Fluss erhaschen. Zieht am besten gleich eure Badesachen an, es finden sich immer wieder Stellen, an denen man sich im kühlen Nass herrlich erfrischen kann.

Die letzten 700m der Tagestour geht es nochmal ziemlich steil bergauf. Man verlässt das Soča Tal und wandert über Wiesen in Richtung Bovec. Die Gegend ist bekannt für Paragliding und andere Funsportarten. Falls ihr die Chance dazu haben solltet, bleibt doch eine Nacht länger dort und geniesst das tolle Freizeitangebot rund um Bovec.

Etappe 25 - Bovec bis DreZnica

Wir starten zunächst mit einem leichten Anstieg bis zum wunderschönen und smaragdgrün schimmernden Virje Wasserfall. Ich empfehle Euch wirklich früh in Bovec zu starten und dafür lieber ein bisschen mehr Zeit am Wasserfall einzuplanen. Setzt Euch für einen Augenblick und geniesst den herrlichen Anblick.

 

Danach muss ich leider zugeben habt ihr quasi das Highlight dieser Etappe bereits hinter Euch gebracht. Ein paar Kilometer weiter - diese leider teilweise an der Strasse entlang - kommt ihr an einen weiteren Wasserfall. Den höchsten in Slowenien. Laut Karte fällt hier das Wasser 130 m tief. Als wir im September jedoch dort waren, war das Flussbett komplett ausgetrocknet und der Wasserfall nur sehr schemenhaft zu erkennen.

 

Wieder zurück auf dem Wanderweg geht es ein kleines Stück den Fluss entlang bis zu einer Brücke. Dort kann ich Euch eines wirklich sehr empfehlen: Nutzt die Chance für eine Rafting Tour entlang des Flusses bis zur Ortschaft Trvono ob Soci. Die meisten Anbieter solcher Touren bieten Euch an, Euer Gepäck bis zum Endpunkt mitzubringen.

Vom Fluss aus habt ihr definitiv den schöneren Ausblick und auch ein grösseres Vergnügen. Da ich diese Information leider nicht hatte, sind wir den Weg gelaufen. Eine schiere Unendlichkeit zieht sich der Weg öde am Fluss entlang, leider aufgrund der Bäume ohne jeglichen Ausblick und ohne jegliche Möglichkeit eine schöne Pause zu machen, denn ans Flussufer kommt man bis zur Brücke von Srpenica nicht mehr.

 

Ein weiterer Tipp, nehmt Tagesverpflegung mit. Auf dieser Tour gibt es keine Möglichkeit in einer Hütte einzukehren. Aber mit einem leckeren Sandwich lässt sich nach der Raftingtour ein schönes Picknick an der Soca machen.

 

Danach geht es für einige Kilometer durch den Wald stetig bergauf bis Drežnica, ein idyllisches Bergdörfchen mit traumhaftem Ausblick über die Berge.

 

Etappe 26 - Dreznica bis Tolmin

Der Tag beginnt mit einem kurzen aber intensiven Aufstieg von Drežnica auf den Krennberg. Unterwegs passieren wir eine kleine Kapelle und geniessen die herrliche Aussicht ins Tal und auf die  Soča

Nach dem Aufstieg geht es über wunderschöne Bergwiesen und Almen, zwischen Kühen und Ziegen langsam wieder bergab. Dort bietet sich uns ein herrlicher Fernblick über die Berge und Täler des Triglav Nationalparks. Das Naturschauspiel der Wolken, die sich hinter uns langsam über den Bergkamm schieben, als würde Gott eine weisse Tischdecke über dem Krennberg ausbreiten und die friedliche Idylle der Umgebung sind atemberaubend.

Wir folgen den Wegweisern zur Kuhinja Alm und erfreuen uns an einer traditionellen Polenta mit Käse und Pilzen. So gestärkt machen wir uns auf den ca 1079 hm Abstieg, der meist durch Wald führt.

Im Tal angekommen, laufen wir das letzte Stück über Felder und entlang des Flussen bis Tolmin. Über uns kreisen unzählige Paraglider und wir träumen davon, wie die Berge wohl von oben aussehen, über die wir nun 4 Tage gewandert sind.